Im Kreis drehen

08:22 Edit This 2 Comments »
14. 02. 2013

In der Betreuung von unserem Wunschverein läuft es immernoch schleppend. Nunmehr seit über zwei Jahren. Es gab Momente, da fühlte ich mich der Betreuerin sehr nahe und dachte: "Jetzt ist die Mauer überwunden." Und dann, beim nächsten Termin, stand ich wieder am Anfang. So ging das einige Male.
"Wir drehen uns im Kreis." sagte sie am Dienstag. Und vor ein paar Monaten. Und davor. Normalerweise bewirkt das, das wir mit Tränen in den Augen anfangen, in uns herumzusuchen, nach einem Thema, nach einer Info die sie bei Laune hält, die sie bei uns hält. Normalerweise motiviert uns das zu mehr Konzentration und 'Produktivität'. Wir mögen sie, auch wenn sie nicht an uns rankommt. Wir haben Angst, ohne Betreuung zu sein. So eine unbestimmte Angst, dass alles zusammenbrechen würde.
Aber sie hat recht. Wir drehen uns im Kreis, unzwar so lange schon, dass wir eine tiefe Rille in den Boden gelaufen haben und nichts mehr unter unseren Füßen wächst. Der Kreis mag groß sein, aber er bleibt ein Kreis. Immer wieder rutschen wir in so Muster, die wir ablaufen. Wir haben das bewusst, sie und ich, und doch kann ich diese Muster nicht verlassen.
Am auffälligsten sind sie, wenn es um neue Infos geht. Wenn ich ein neues Puzzleteil dazubekomme und es einsetzen soll.
"Aber könnte es nicht auch bedeuten, dass...?" in allen Variationen, "Vielleicht hat sich das nur jemand ausgedacht, um dich zu täuschen.", "Bestimmt hab ich das irgendwo gelesen oder gehört, du weißt doch, dass ich so viel aufschnappe und komisch abspeicher.", "Das passt doch nicht zusammen.", "Bestimmt ist das nur übertrieben."
Wie aus einem inneren Zwang heraus muss ich solche Fragen stellen. Vor allem mir selbst, aber auch meinem Gegenüber. Erst wenn ich alles in diese Richtung abgefragt habe, kann ich mich darauf einlassen, in eine andere Richtung zu sehen. Und das dann auch ernsthaft. Vorher geht es nicht. Vorher habe ich genau diese Fragen im Kopf und sie würden nie den Platz frei machen.
Die meisten Therapeuten und Betreuerinnen haben sich im Laufe der Zeit nicht mehr darauf eingelassen, solche Fragereien zu beantworten. Sie lächelten mir verständnisvoll zu und wollten diesen Schritt überspringen. Ich konnte das aber nicht.
Meine jetztige Betreuerin hat sich da immer drauf eingelassen, hat sich die Fragen angehört und sie beantwortet. Das war sehr erleichternd und hilfreich für mich. Für sie allerdings war es ein immerwährendes Wiederholen. Sie versteht glaub ich nicht, wie wichtig das wirklich ist, obwohl ich es ihr mehrfach erklärt habe. Für sie ist das ein 'im Kreis drehen' und von Aussen kann ich das verstehen. Innen ist es das nicht. Aber es wird dazu, weil wir nach der Fragerei und dem anschließenden Ansetzen von ernsthaften Überlegungen nicht weiterkommen. Manchmal, weil die Zeit dann vorbei ist, manchmal weil wir innerlich blockiert sind oder einfach nichts weiteres wissen. Und beim nächsten Termin können wir so schlecht wieder dort ansetzen, wo wir aufgehört haben.
"Wir drehen uns im Kreis." sagte sie also am Dienstag. Und mit Tränen in den Augen und Wut irgendwo im Bauch sagten wir dieses Mal. "Ja."
Ob wir uns schonmal überlegt haben, die Betreuung zu beenden, wollte sie gern wissen. "Manchmal.... und Du?" - "Ja, oft." war ihre Antwort. Und wir sprachen darüber, was uns hindert, die Betreuung zu beenden.
Als sie ging, wusste ich nicht, was ich fühlen sollte. Oder fühlen wollte. Ich sollte mir überlegen, die Betreuung zu beenden.
Einerseits war ich wütend, weil ich mich manipuliert fühlte. Ich dachte, sie würde das nur gesagt haben, weil sie mich wieder unter Druck setzen will, damit ich mehr erzähle und mich mehr einlasse, aus Angst. Ich dachte, sie sucht einen Weg die Betreuung zu beenden, ohne das sie sie beenden muss. Damit es in der Akte gut aussieht.
Ich fühlte auch Trauer. Weil ich auf einmal sicher war, dass sie mich nicht mehr lange begleiten wird. Und das ist schade.
Und dann dachte ich irgendwann: Wieso soll ich denn gleich die Betreuung beenden? Wieso nicht einen Zwischenschritt versuchen - nämlich einen Betreuerinnenwechsel?
Ich schrieb ihr eine SMS und fragte, ob das eine Alternative wäre. Sie antwortete, dass wir das am Donnerstag besprechen könnten. Heute. Ich bin nervös.

Unser Beitrag zum Fachtag Rituelle Gewalt - Oktober 2012

12:19 Edit This 2 Comments »
 Wir waren zu einem Fachtag über Rituelle Gewalt eingeladen und wurden gefragt, ob wir etwas dazu beitragen möchten/können.
Das hier ist entstanden. Erstmal nur für uns. Und schließlich auch für alle anderen.
Ich habe einige Rückmeldungen dazu bekommen und möchte deshalb darauf hinweisen, dass das nicht nur Betroffene von Ritueller Gewalt triggern kann!


 *** Vorsicht - kann triggern! ***

Du kannst doch sowieso nichts
Sei nicht so albern
Du musst dich schon alleine wehren
Niemand wird dich je mögen
Benimm dich und steh gerade
Du bist so faul
Solange du deine Füße unter meinem Tisch stellst, tust du was ich sage
Dich kann man echt nicht verstehen
Du wirst immer ein Versager sein
Da ist nichts
Hör auf, so 'ne Show abzuziehen
Ich kann deine Fresse nicht mehr ertragen
Ich werds dir schon reinprügeln
Verpiss dich
Nie kümmerst du dich um mich

Das musst du selbst wissen
Mir doch egal
Ich hab eigene Probleme
Lass mich in Ruhe mit deinem Scheiß
Ach, sabbel nicht
Sprich lauter ich kann dich nicht verstehen
Was willst du?
Tja, Pech!
Das interessiert mich nicht
Und was soll ich da jetzt machen?
Ich hatte sowas auch nie!
Du bist alt genug, mach das alleine
Nerv mich nicht
Such dir jemand anderen, ich hab da kein Bock drauf

Heul doch
Was grinst du so blöd?
Du bist ja schlimmer als ein Baby
Sh-Sh-Sh-Stotter nicht so rum
Krank? Sieh zu das du in die Schule kommst!
Ein Indianer kennt keinen Schmerz
Der Ton macht die Musik, mein liebes Fräulein
Wer nicht hören kann muss fühlen
Du machst was ich sage!

Freunde? Seit wann hast du Freunde?
Du kommst ins Heim!
Widersprich nicht dauernd!
Das war nur ein Traum
Glaub ja nicht, das ich das vergesse
Nimm doch nicht immer alles gleich so persönlich
Nichtmal den Arsch kannst du dir alleine abwischen
Du bist so ekelhaft
Das Leben ist nunmal so, gewöhn dich dran
Tu doch nicht so, es ist gar nichts passiert
Dann hau doch ab! Dich will eh keiner haben!
Ich brauche dich
Du stehst nicht an erster Stelle, merk dir das!
Ich wünschte, du wärest nie geboren
Du bist ein Stück Dreck, nichts weiter
Mach deine Augen zu, dann siehst du was du hast
Jetzt hör auf zu weinen und sei wieder lieb
Hau bloß ab!
Du gehst nirgendwo hin!

Sei froh, dass Du überhaupt was zu essen bekommst
Das hast du falsch verstanden
Ist mir scheißegal ob du heulst, mich manipulierst du nicht
Du hast selber schuld
Nie hälst du zu mir!
Das ist nichts für Mädchen, die können sowas nicht
Wenn du heiratest ist es verheilt
Ich hab dich was gefragt
Wie kann man nur so dumm sein?
Spinn doch nicht immer so rum
Ich schmeiss dich gleich aus dem Fenster!
Das war doch nur Spaß, nimm nicht immer alles gleich so ernst

Sei doch nicht immer so egoistisch!
Lass ihn doch einfach
Wenn Erwachsene sich unterhalten hast du ruhig zu sein
Du bist total nutzlos!
Du kriegst immer deinen Willen durch! Aber nicht mit mir, das schwör ich dir.
Hör auf zu träumen
Ich hab dich doch lieb
Das musst du dir erst verdienen
Sei höflich und spiel mit
Das tut nicht weh
Du bist nicht meine Tochter
Ich schäme mich für dich
Hure!

Ich werd dir gleich: ich hab Angst
Das verstehst du eh nicht
Iss schneller, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit
Das bildest du dir nur ein
Werd' endlich erwachsen!
Halt ja die Schnauze
Eines Tages wirst du mir dankbar sein
Mach das du weg kommst, sonst kannst du gleich was erleben
Bei drei bist du hier
Du wurdest doch total verhätschelt, also beschwer dich nicht
Übertreib doch nicht immer so
Wie kann man nur so schwächlich sein?
Wasch dich mal, du stinkst
Du bist so erbärmlich!
Das kannst du eh nicht
Ja, bring dich um, dann haben wir's endlich hinter uns

Stell dich nicht so an
Du wirst nie heiraten, so hässlich und dumm wie du bist
Ich hab doch niemand anderen ausser dich
Du denkst immer nur an Dich!
Kannst du nicht ein Mal was richtig machen
Warum nicht gleich so
Du bist ein scheiß Bastard
Du machst mich krank!
Das wird dir auch nicht helfen
Und wehe, du lügst!
Das ist eben der Preis

Der Klügere gibt nach
Schmerz muss man ignorieren
Glaub ja nicht, was andere dir sagen
Die Familie muss zusammenhalten
Es ist doch nur zu deinem Besten
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold
Einer für alle, alle für einen
Blut ist dicker als Wasser
Du bist was ganz besonderes
Du kannst niemandem trauen ausser uns
Wir sind Dein Fleisch und Blut
Wir sind überall

Du liebst mich
Du bist nichts ohne mich
Du brauchst mich
Du entkommst mir nicht
Du gehörst mir

Du wolltest es doch auch
Sag ein Wort und ich dreh dir den Hals um
Keiner wird dir glauben
Wenn du was sagst, bring ich dich um
War doch schön, oder?
Du wirst sterben
Ja, so gefällt dir das

Du lügst
Du lügst
Du lügst

Stress

12:01 Edit This 1 Comment »
04. 02. 2013 - Schimmelpilz und Hausmeister

In meiner Wohnung wird gerade Schimmelpilz bekämpft.
Der Hausmeister war mir schon immer merkwürdig vorgekommen und ich musste mich seit jeher überwinden, ihn anzurufen oder ihn in meine Wohnung zu lassen. Im Grunde ist er nett, nur seine Art empfinde ich als aufdringlich und 'zu nah'. Er bemerkt Höflichkeitsdistanz und Grenzen nicht sonderlich gut und ist mir immer einen Schritt zu nah an meinem Körper. Das ist unangenehm. Nun ist er aber hier, renoviert meine Küche und stresst mich und uns ungemein.
Nicht nur, dass wir überempfindlich auf Unpünktlichkeit reagieren, wir trauen ihm auch nicht zu, das alles wirklich fachgerecht zu sanieren. Da kommen wir unglaublich schnell in so einen Kontrollwahn; überprüfen, was er für Material kauft und ob auch alles ordentlich genug gemacht wird. Er ist da wirklich eine große Herausforderung für uns. Bis jetzt kam er immer mindestens zwei Stunden zu spät. Die Tapeten hat er nur sehr schlampig abgerissen - überall sind noch Fetzen und ganze Placken dran. Und er schleppte Farben und Sprays an, die unserer Meinung nach total ungeeignet für eine Schimmelpilzbehandlung sind. Ständig geraten wir deshalb aneinander und ich verstehe, dass er sich langsam wirklich gekränkt fühlt und alles, doch ich fühle mich dermaßen über den Tisch gezogen und will nicht einfach 'kampflos' zusehen.
Wir haben einen Pauschalbetrag von 200 Euro festgesetzt, den ich bezahlen muss. Weil es angeblich meine Schuld ist, dass es Schimmel in meiner Wohnung gibt. Ein gemeinsamer Termin mit der Hausverwaltung und meiner gesetzlichen Betreuerin brachte da leider nichts. Als ich diesem 200€-Betrag zustimmte, war der Plan noch ein gänzlich anderer und ich empfand es als fair. Gedanklich rechnete ich die benötigten Materialien zusammen + seine Arbeit. Das war wirklich ein Preis, mit dem ich so leben konnte. Nicht gern, weil ich die Schuld eigentlich nicht bei mir sehe, aber was solls. Der Hausmeister hat mir genau aufgezählt, was er alles machen möchte und das klang wirklich okay.
Doch plötzlich ist alles anders und er macht es anders als es abgesprochen war. Als ich ihn darauf das erste Mal im Beisein der Hausverwaltung und Betreuerin ansprach, behauptete er, er hätte zum Beispiel nie etwas von Styropor gesagt. Meiner Betreuerin hatte er davon aber glücklicherweise auch am Telefon erzählt, so stand ich nicht vollkommen blöd da. Allerdings wurde das dann einfach ganz schnell unter den Teppich gekehrt, dass er das tatsächlich gesagt hat. Keine Entschuldigung, keine Aufklärung, nichts. Er erklärte einfach nur den 'richtigen' Plan. Ich stimmte erneut zu. Etwas widerwillig, weil ich noch immer so erzürnt darüber war, dass ich angeblich etwas falsch verstanden habe und das so im Raum stand (das ist bei mir echt ein rotes Tuch, dieses 'Das hast Du falsch verstanden') Aber es klang ganz in Ordnung.
Dann sollte es endlich losgehen. Und als ich sah, was er da für Zeug anschleppte, fühlte ich mich wirklich verarscht. Gegen Schimmel war da nichts bei. Ganz normale Wandfarbe, obwohl er von 'super Farbe extra gegen Schimmel' sprach (ich glaub langsam, sowas gibt es nichtmal...), Sprays zur Vorbeugung von Feuchtigkeit. Alles in allem ein Materialwert von ca. 35-50€. Ich war fassungslos und bin es auch noch immer. Zwar hat er jetzt tatsächlich nochmal eine Isolierfarbe für die Grundierung gekauft, aber der Schimmel ist und bleibt in der Wand. Er sagt, da ist kein Schimmel in der Wand, weil man da ja nichts sieht. Er müsste da kein Zeug für Schimmel drauf machen.
Als ich ihm gesagt hab, dass ich mit einem Fachmann gesprochen habe und der gesagt hat, dass man sich nicht täuschen lassen soll und es zwingend notwendig ist, einen Schimmel-Entferner in die Wand einzureiben, war der Hausmeister in seiner Ehre als 'Fast-Experte' gekränkt und meinte, er wüsste ganz genau, was zu tun ist. Er hätte es schließlich schon hundertmal gemacht und nie wäre etwas passiert. Also, ich kann ihn nicht davon abhalten. In ein paar Monaten hab ich dann wohl wieder die Probleme, für die ICH dann natürlich wieder die Schuld bekomme, weil ich ja nicht richtig lüfte (so ein Blödsinn!)
Heute soll er um 12 Uhr kommen. (Es ist jetzt 12:04 Uhr) Eigentlich müsste ich dringend einkaufen gehen, aber ich kann nicht, weil wir einen Termin haben. Und obwohl ich fest damit rechne, dass er vor 13 Uhr nicht hier sein wird, schaff ich es nicht, jetzt einzukaufen, weil er ja doch pünktlich kommen könnte... ätzend.

Diese ganze Situation ist unglaublich stressig. Die Unpünktlichkeit stresst mich. Seine Art stresst mich. Seine Arbeit stresst mich. Ich fühle mich hintergangen und dem ausgeliefert, und ich spüre, wie alte Muster und Gefühle ablaufen und kann dem so wenig entgegensetzen.
Ich hoffe, dass ich bald alles hinter mir hab. Bis dahin muss ich irgendwie aushalten, was hier passiert. Das ist echt scheiße.